Unsere Begünstigten

Unsere Hunde sind für Menschen bestimmt, die krank sind oder an einer körperlichen oder psychischen Beeinträchtigung leiden. Wir bilden Assistenzhunde aus und stellen sie diesen Personen ohne Gegenleistung zur Verfügung, wenn wir mit unserem beratenden Arzt festgestellt haben, dass sie einen echten Nutzen daraus ziehen und die Hunde ihren Alltag erleichtern.

Wir bilden Assistenzhunde auch für Personen mit Taubheit, körperlicher Behinderung, emotionaler Labilität oder posttraumatischen Belastungsstörungen aus.

Da der Hund immer im Hinblick auf die individuellen Bedürfnisse seines zukünftigen Halters ausgebildet wird, passen wir unsere Programme durch grösstmögliche Individualisierung den jeweiligen Anforderungen an.

 

* Die Ad-hoc-Auswahlkommission besteht aus Mitgliedern der verschiedenen Stiftungsräte, d. h. :
● der Vertrauensarzt
● einem Facharzt
● einem Hundetrainer
● ein Mitglied der Stiftungsleitung

Unsere Hunde entsprechen im Wesentlichen den Bedürfnissen von Personen mit Diabetes Typ 1, Epilepsie oder Autismus-Spektrum-Störungen (ASS).

Epilepsie

In der Schweiz sind rund 80’000 Menschen von Epilepsie betroffen, 15’000 davon sind Kinder. Insgesamt lebt etwa ein Prozent der Bevölkerung mit Epilepsie. Laut Epi Schweiz lassen sich bei 30 % der Erkrankten die Anfälle nicht medikamentös kontrollieren. Sie leben in ständiger Angst vor einem erneuten Anfall. Diese Angst beeinträchtigt ihre Lebensqualität, schränkt ihre Unabhängigkeit und manchmal auch ihre Fähigkeit ein, ein aktives Leben zu führen.

Unsere Hunde sind trainiert, einen epileptischen Anfall vor seinem Auftreten zu bemerken und ihren Partner durch Stupsen mit der Schnauze davor zu warnen. Der Betroffene hat dadurch die Möglichkeit, sich in Sicherheit zu bringen, eine Notfallmedikation einzunehmen oder Hilfe zu holen. Einen solchen Hund bezeichnet man als Warnhund.

Während des Anfalls tröstet der Hund seinen Partner, indem er Körperkontakt zu ihm hält Oder er hilft ihm, sich in Sicherheit zu bringen, wenn er z.B. auf einer Strasse in Gefahr ist. Der Hund kann auch Hilfe holen, einen in der Wohnung installierten Alarmknopf betätigen oder die Aufmerksamkeit einer in der Nähe befindlichen Person auf sich ziehen. Einen solchen Hund bezeichnet man als Anzeigehund

Die Früherkennung von Anfällen durch Warnhunde ist nicht systematisch und auch noch nicht vollständig erforscht. Ist der Anfall aber eingetreten, ist ein Hund stets in der Lage einzugreifen.
Unsere Hunde werden für beide Funktionen – Warnen und Anzeigen – ausgebildet, wobei der Einsatz zur Früherkennung von Anfällen nicht garantiert werden kann.
Selbstverständlich ersetzt der Hund keine medizinische Behandlung. Doch er verhilft dem Betroffenen zu mehr Selbstvertrauen, Sicherheit und Gelassenheit und trägt durch den Stressabbau sogar dazu bei, die Häufigkeit der Anfälle zu verringern.

AUTISMUS-SPEKTRUM-STÖRUNGEN (ASS)

Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) sind neurologische Entwicklungsstörungen, , die sich bei jeder Person in Art und Schwere unterschiedlich ausprägen.

Kinder und Erwachsene mit ASS haben häufig Schwierigkeiten bei der sozialen Kommunikation und Interaktion. Sie haben Mühe, ihre Gefühle auf eine der Umwelt verständliche Art und Weise auszudrücken und verstehen ihrerseits die Menschen, mit denen sie zu tun haben, nicht. Dieses gegenseitige Unverständnis kann zu tiefer Verunsicherung und Angst, zu Aggressivität, Tränen oder Rückzug führen.

Der für Menschen mit ASS ausgebildete Assistenzhund wird trainiert, bestimmte Aufgaben auszuführen. So lernt er zum Beispiel, stereotype Verhaltensweisen oder Zwangshandlungen zu unterbrechen, insbesondere sozial inadäquate oder für den Betroffenen oder seine Umwelt gefährliche Handlungen. Er hilft dem Autisten, aus einer Krise oder Notsituation herauszukommen, indem er ihn etwa anstupst oder sich auf ihn legt und dabei Druck auf sein Brustbein ausübt (Pressotherapie), wodurch bei ihm Angst und Herzfrequenz zurückgehen. Der Hund beruhigt und tröstet, er reduziert Stress und verbessert die Schlafqualität seines Halters.

Der Nutzen eines Assistenzhundes übersteigt bei Weitem die erlernten Aufgaben. Er fördert die Inklusion des Betroffenen in die Gesellschaft und das Sozialleben und erleichtert seine Kommunikation und Interaktionen mit der Umwelt. Er kann positive Verhaltensänderungen auslösen und Trost spenden sowie zum Stressabbau und zur Verbesserung der Schlafqualität des von Autismus Betroffenen beitragen Dank des Hundes erhält er mehr Autonomie und Sicherheit, wenn er sich in seinem Umfeld bewegt.

Es existieren verschiedene Formen von Autismus und jede betroffene Person, Kinder ebenso wie Erwachsene, entwickelt unterschiedliche Ausprägungen. Daher sind die Ausbildungsprogramme unserer Tiere individuell auf die Bedürfnisse des Partners zugeschnitten, für den sie bestimmt sind.

Diabete

In der Schweiz leiden rund 500’000 Menschen an Diabetes (weltweit sind es 425 Millionen), davon sind etwa 40’000 von Diabetes Typ I betroffen. Unsere Assistenzhunde kommen bei diesem schweren Diabetes-Typ zum Einsatz, der regelmässige Blutzuckerkontrollen rund um die Uhr erfordert.
Dank seines Geruchssinns erkennt ein Assistenzhund eine für den Betroffenen potenziell lebensbedrohliche Hypoglykämie oder sogar eine Hyperglykämie und löst durch Stupsen mit der Schnauze oder eine andere charakteristische Reaktion ein Signal aus, das es dem Kranken oder seiner Umgebung ermöglicht, geeignete Massnahmen zur Vermeidung des Anfalls oder zur Begrenzung seiner Folgen zu treffen.
So kann der Hund Angehörige alarmieren, ein Notrufsystem betätigen oder den Erste-Hilfe-Kasten holen.
Unsere Hunde eignen sich besonders für Patienten mit insulinabhängigem Diabetes, denen sie zu mehr Sicherheit und Lebensqualität verhelfen. Selbstverständlich ist der Assistenzhund kein Ersatz für regelmässiges Monitoring.

Narkolepsie und IHS

Die Narkolepsie und die idiopathische Hypersomnie (IHS) sind seltene Schlafkrankheiten, die unter dem Begriff «Hypersomnolenzen zentralnervösen Ursprungs» zusammengefasst werden. Sie werden oft erst spät diagnostiziert und stossen beim Umfeld der Betroffenen auf grosses Unverständnis. Sie können zu massiven Beeinträchtigungen und Einschränkungen im Alltag führen, zu denen Schwierigkeiten in der Schule, im Beruf, zwischenmenschlichen Beziehungen und schliesslich soziale Isolation gehören Je nach Schweregrad kann zudem ein erhöhte Unfallrisiko bestehen.

Narkolepsie ist eine seltene Schlafkrankheit, die ungefähr 3 von 10’000 Menschen betrifft und ab dem Kindesalter auftreten kann. Die Betroffenen sind tagsüber ungewöhnlich schläfrig und neigen dazu, unabhängig von Tageszeit und Situation plötzlich und unvermittelt einzuschlafen – auf der Strasse, im Auto, in der Badewanne, im öffentlichen Verkehr oder im Restaurant.

Die Krankheit kann von Kataplexien, also dem plötzlichen Erschlaffen von Muskeln bzw. des allgemeinen Muskeltonus, begleitet sein, die zu Stürzen führen können.

Idiopathische Hypersomnie (IHS) ist ebenfalls eine seltene Krankheit. Sie zeichnet sich durch exzessive Tagesschläfrigkeit trotz sehr langer Nachtschlafzeit guter Schlafqualität aus. Personen mit HSI leiden unter erschwertem morgendlichem Erwachen, nach dem sie sich schläfrig und nicht erholt fühlen und für das bisweilen die Intervention einer weiteren Person erforderlich ist. Die Erkrankung tritt im Allgemeinen bei Jugendlichen oder jungen Erwachsenen auf.

Diese Symptome werden von Tagesschläfrigkeit und hoher Einschlafneigung begleitet, die die Betroffenen zu langen Tagesschläfchen zwingt, die jedoch keinen Erholungseffekt haben.

Die Ausbildung des Assistenzhundes richtet sich vollumfänglich nach den individuellen Bedürfnissen des Patienten. Er ist stets auf der Hut, um seinen Halter auf ein nahendes, unvermitteltes Einschlafen oder eine Kataplexie hinzuweisen. So kann sich der Patient in Sicherheit bringen oder einem Unfall oder Sturz vorbeugen.

Unsere Hunde werden darauf trainiert, den von idiopathischer Hypersomnie Betroffenen aufzuwecken. In Absprache mit dem Patienten identifizieren wir dazu die wirksamsten Verhaltensweisen des Hundes (Bellen, Lecken, Springen, Stupsen oder anderes oder Kombinationen davon). Eine unabdingbare Qualität des Hundes unter diesen Bedingungen ist seine Ausdauer. Er darf erst dann Ruhe geben, wenn sein Partner tatsächlich erwacht oder in Sicherheit ist.

Jede Person reagiert unterschiedlich auf das Verhalten eines Hundes, sodass die enge Zusammenarbeit mit dem zukünftigen Halter sehr wichtig ist. Nur sie gewährleistet eine individuelle Ausbildung des Hundes und seine Wirksamkeit im Ernstfall.

Unsere speziell ausgebildeten Hunde geben ihrem Halter mehr Autonomie und Sicherheit, grössere Freiheit sowie ein erfüllteres Sozialleben.

Unsere Senioren

Unsere Hunde in Ausbildung besuchen regelmäßig ältere oder gesundheitlich angeschlagene Menschen zu Hause oder in Einrichtungen. Diese ausgeglichenen und geselligen Besuchshunde werden von ihren Gastgebern immer sehr erwartet, für die diese Besuche einen Moment der Zärtlichkeit, des Austauschs und eine Öffnung nach außen darstellen.

Wir organisieren auch Animationen und Vorführungen mit unseren Hunden im Freien in verschiedenen Einrichtungen, partizipative Aktivitäten, bei denen die Bewohner zu ihrer großen Freude mit unseren Begleitern interagieren können.

Die Arthanis-Stiftung bietet auch eine Ausbildung zum Besuchshund für Hundebesitzer an, die sich ehrenamtlich in diesem Programm engagieren möchten.

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